Finnish? Dutch? No, goddamn! We are german, and I’m Phabien!

In den letzten Tagen machten wir das, was Touristen in New York nun mal so machen: Sehenswürdigkeiten abklappern und Shoppen. Am Dienstag ging es als erstes durch Chelsea. Auf dem Weg dahin verfolgte uns kurz ein Mann, der von Passanten wild Fotos machte und fragte, woher sie kämen. Uns fragte er, ob wir Finnen seien. Jup, klar. Ein kleiner, braunhaariger Typ und eine Halbasiaten sind natürlich Paradebeispiele für den skandinavischen Durchschnitt!

In Chelsea gab es nicht sonderlich viel zu sehen, so dass wir da fix durch waren. Allein der Chelsea Market mit seinen frischen Sachen und Delikatessen hielt uns ein wenig auf. Weiter ging es durch West Village, wo wir leckeres Süßes von der Magnolia Bakery genossen und immer wieder Blicke in einen der zahlreichen kleinen Läden riskierten. Nächste Station war Tribeca, wo Robert Di Niro ein Restaurant besitzt und auch jedes Jahr Ende April ein Filmfestival veranstaltet. Von dort ging es nach SoHo und NoHo, die mehr Durchgangsstrecke nach Little Italy und Chinatown waren. Im Gegensatz zum Vortag schlenderten wir diesmal durch die beiden Bezirke und schauten uns alles in Ruhe an. Im Dumpling House in Chinatown gab es für jeden die namengebenden Dumplings und ein Sesambrot mit Pekingente. Im gutbesuchten Haus musste man sich hinsetzten, wo man Platz fand. Wir saßen neben einer Frau. Sie hielt uns für Holländer. Da die Niederlanden ja nicht so weit weg sind, sahen wir es der Frau generös nach. Sie war auch mal in Berlin und fand es super – dann war ja auch alles gut!

Panorama vom Rockefeller Center

Mittwoch führte der Weg durch Midtown, um nochmal ein paar Wolkenkratzer zu bestaunen. Unsere Hauptstrecke war die 5th Avenue, die auch – je näher man dem Central Park kam – Einkaufsmöglichkeiten bot. Wenn man denn genügend Geld besitzt und Versace oder Gucci mag. Bevor wir aber an diesen Geschäften vorbeikamen, ging es erst einmal durch die Central Station und dann mit dem Fahrstuhl die 67 Stockwerke des Rockefeller Centers hoch. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick über New York.  Auf der einen Seite der Central Park mit der anliegenden Upper East Side und der Upper West Side und dahinter Harlem. Auf der anderen Seite die hohen Gebäude rund um das Empire State Building und weiter entfernt die des Financial Districts.

Nach der Sicht über die Upper Sides folgte der Marsch dadurch. Man muss ja schließlich auch alles aus der Nähe gesehen haben! Zuerst ging es in die Upper East Side. Vorbei am Met Museum (The Metropolitan Museum of Art) liefen wir Richtung Guggenheim Museum. Dort ging es rein. Selbstverständlich nicht zum Anschauen der Kunst. Nein, nein. Das wurde aufgegeben. Es ging in den Museum-Shop! Die erhofften Schnäppchen bei Kalendern für dieses, angebrochene Jahr erfüllten sich nicht. Scheinbar schon alle ausverkauft. Na, sei es drum. Immerhin können wir sagen: wir waren im Guggenheim!

Der Central Park lag wortwörtlich einen Steinwurf entfernt. Wir benutzen die Wege des 350 ha großen Parks als Abkürzung, um von der Upper East Side zur Upper West Side zu gelangen. Im Park gab es viele Jogger, Radfahrer, Autos (ja!), Hunde, Kinder und … Squirrel. Leider blühte noch so gut wie nichts, die Bäume waren kahl. Im Sommer ist das sicher ein, wenn nicht der, schönste Fleck Manhattens. In der Upper East Side ging es auf den Broadway, den wir bis zum Times Square abliefen. Weil das Wetter schlechter wurde und die Füße schmerzten (und nach einem so-lala-Salat für 10 Dollar) ging es um Neun bereits ins Hotel.

Donnerstag grüßte dann nicht wie die zwei vorherigen Tage die Sonne sondern Regen. Was uns aber nicht sonderlich belastete. Wir hatten zuvor, wie fast den ganzen Urlaub (Ausnahmen hier teilweise SF, Hartford und Boston), gutes Wetter sowie alles Interessante gesehen, weswegen der Tag im Großen und Ganzen dem Shopping galt. Außerdem waren wir die letzten Tage zwei gefühlte Marathons gelaufen, unsere Treter wollten endlich auch ihre Pause. Es ging zuerst zu Macy’s und den ganzen Broadway runter, bis man mit den Tüten in der Hand ein mulmiges Gefühl bekam, ob denn das alles auch in die Koffer passe. Kurz bevor das überprüft werden konnte, gab es ein letztes Mal den leckeren und großen Burrito bei unserer Lieblings-Fastfood-Kette Chipotle und ein Heißgetränk von Starbucks. Laut dem sehr netten Herren, der sich sehr viel Zeit für Jedermann nahm, schreibe ich mich Phabien. Tjoa. Kurz vor’m Verlassen des Landes mit den meisten Geheimdiensten ist also meine Identität doch tatsächlich noch aufgedeckt worden. Ja! Ich bin Hollänne und heiße Phabien! Ich hoffe, mit meinem deutschen Reisepass komme ich morgen dennoch raus?

Party Boarding to NYC

Die Fahrt von Washington D.C. war wieder kein großes Vergnügen, der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt und der Busfahrer nicht der bester Vertreter des Servicegedankens. Wenigstens war er durch seine Nuschelei manchmal gut für einen Lacher. Als es zum Einsteigen ging, raunte der Fahrer etwas von Party Boarding. Geil! Party nach New York! Ja, ne. Nix da. Er meinte Priority Boarding. Schade, aber wäre auch gelogen gewesen. Die Fahrt war absolut keine Party.

Am ersten Tag in New York ging es morgens nach Brooklyn. Hauptsächlich für den Vintage-Store Beacon’s Closet, nahe der Bedford Avenue. Leider war das Geschäft wegen des Todesfall eines Angestellten geschlossen. Na toll! Um nicht völlig umsonst da gewesen zu sein, frühstückten wir beim besten Bagelstore Brookylns und schauten in paar Geschäften in der Bedford rein. Zurück ging es mit der Metro zum Battery Park.

Der Park liegt direkt am Wasser, nahe des Clinton Castle und den Ablegestellen für die Fähren nach Liberty Island oder Staten Island. Weil wir weniger die Lust verspührten für die Fähre nach Ellis Island und der Liberty Island Geld zu bezahlen und dann noch ewig anzustehen, gingen wir zur Staten Island Ferry und fuhren mit dieser kostenlos nach Staten Island und zurück. Von der Fähre hatte man einen guten (aber entfernten) Blick auf die Freiheitsstatue und der Skyline von Manhatten.

Unsere Frisuren waren spätestens nach der Fahrt mit der Fähre nicht mehr vorhanden. Wäre das nicht der Fall gewesen, wären die Haare spätesens in den Straßenschluchten Manhattens zerstört worden. Der Tag bot zwar Sonne, aber die starken Winde in den Straßen ließen einen doch frösteln (6°C real, 2°-0°C gefühlt). Unser Weg von der Fähre führte uns zur Wall Street und dann zum Ground Zero. Am Platz, wo früher die Twin Towers standen, konnte man den Fortschritt des One World Trade Center (früher Freedom Tower) betrachten. Sie kommen voran; die Form ist aber noch nicht wirklich zu erkennen. Aber der soll ja auch erst in 2 Jahren fertig sein.

Die Baustelle des One World Trade Center

Kurze Zeit später verließen wir den Financial District und marschierten auf der Brookyln Bridge, um Manhatten von einer anderen Seite zu sehen – und zu fotografieren. Wir schafften bzw. wollten es nur bis zum ersten Pylon. Danach ging es zurück. Ein kleiner und oberflächlicher Abstecher nach Chinatown und Little Italy folgte. Im kleinen Italien New Yorks suchten wir Lombardi’s Pizza auf, laut eigener Aussage die erste und älteste Pizzeria Amerikas. Zu essen gab es die einfache Pizza (Margarita) in der großen Ausführung, 8 Slices. Davon wurde man gut satt. Mit dickem Bauch, es war auch schon dunkel, ging es weiter. Wir suchten den Weg zu einer Rooftop Bar und verliefen uns natürlich anfangs, bzw. wir liefen in die falsche Richtung.

Rooftop Garden, so der Name der Bar an der Ecke 5th Avenue/27th Street, versprache eine luftige Aussicht über Manhatten. Das stimmte so halb. Die Spitze vom Empire State Building erkannte man ohne auf-die-Zehenspitzen-stellen. Der Rest wurde von hübschen, kleinen Bäumchen verdeckt, die ringsrum am Terassengeländer standen. Für Fotos musste ich mich auf die Bänke stellen. Ansonsten bot die Bar windige Atmosphäre. Damit man nicht fröstelte, gab es lustige Rotkäppchen-Roben. Für zusätzliche Wärme sorgten unsere Schokoladen. Ja, lieber warme Schokolade statt Cocktails in einer Rooftopbar als am nächsten Tag kränklich!

Hallo Herr Lincoln, wieso sitzen Sie so steif?

Gilt für beide Tage in Washington.

Die Fahrt mit Greyhound nach Washington war nicht sonderlich erholsam. Der Bus von Hartford ging kurz nach Mitternacht, war recht gut gebucht, so dass man einen Sitznachbarn hatte. Was das Schlafen bei der Fahrt etwas erschwerte. Mein lieber Nachbarn rutschte dann zusätzlich noch ab und zu schlafend vom Sitz auf meine Schulter. Bei einer (attraktiven) Frau gern, aber doch bitte nicht bei einem Kerl! Die Fahrt Hartford-New York kannte man jetzt schon hinlänglich und zog sich ein wenig. Irgendwann schlief ich dann auch, wurde aber schon wieder recht bald geweckt. Unser Fahrer war eine halbe Stunde überpüntklich, um kurz nach zwei Uhr nachts kamen wir im Port Authority Bus Terminal an. Danke auch!

Schlimmer wurde die Pünktlichkeit dann noch dadurch, dass unser Anschlussbus nach Washington D.C. erst um 03:45 Uhr fahren wollte. Der Busterminal war kühl und der etwas wärmere Imbiss mit Sitzplätzen machte etwa 2:30 Uhr zu. Also mehr als eine Stunde auf dem Terminal rumlungern. Yay! Wengistens stand noch niemand für D.C. an – dachten wir. Bis uns ein netter Gepäckträger laut fragte, wofür wir anstünden. D.C.? Ha! Nach Washington geht’s nicht wie ausgeschildert von Gate 70. Wieso auch, ist ja nur so ausgeschildert! Macht aber doch keinen Sinn! Gate 64 war richtig, mit Richmond als Ziel! Man, man, diese Deutschen glauben auch immer was irgendwo ausgeschildert ist! In der Schlange für Richmond standen wir nicht in einer der vorderen Reihen, sondern ganz weit hinten. So weit hinten, dass wir am Ende nur noch die Premiumplätze ganz hinten in der Dreierreihe bekamen, die so eng und ungemütlich war, dass man das mit dem Schlafen so gut wie vergessen konnte. Es sei denn man kann mit Rückenschmerzen schlafen. Dann ging das da mit dem Schäfchen zählen…

Washington D.C. grüßte uns bei der Ankunft um kurz vor Neun Uhr immerhin mit Sonnenschein. Nach dem Verlassen des Buses trennte sich der Weg von Laura und uns, da sie studentische Verpflichtungen hatte und keine touristischen. Wir liefen zu unserem Drei-Sterne-Hotel in einer knappen halben Stunde – mit unseren vollen Koffern schon eine kleine körperliche Anstrengung. Nachdem wir eingecheckt hatten und auf unser Zimmer gegangen waren, machten wir den Fehler, uns auf den weichen Betten bequem zu machen. Danach wollten wir sie nämlich eigentlich gar nicht mehr verlassen. Um nicht den ganzen Tag zu verschwenden, machten wir mit uns selbst den Kompromiss, bis etwa 13 Uhr den Schlaf nachzuholen und dann die Stadt zu erkunden.

Nach etwa drei Stunden Schlaf, müde und mit der Idee, lieber weiterschlafen zu wollen, erhob man sich und ging raus auf die Straßen der Hauptstadt Amerikas. Für den großen Touristenrundkurs fanden wir nicht genügend Kraft. Worauf wir erstmal die National Gallery of Arts besuchen wollten. Ja, diesmal auch mit mir. Eintritt gab es ja nicht. Für umme nehme ich dann auch mal alte Bilder auf Leinwänden mit. Dass wir etwas verschlafen waren, merkten wir spätestens als wir das National Archives & Records für die Nationalgalerie hielten und besuchten. Unser Fehler fiel uns erst auf als wir im Nationalarchiv vor den ausgestellten Kopien der Unabhängigkeitserklärung und Verfassung standen. Passiert. Die Galerie besuchten wir gleich danach. Nun, was soll ich sagen. Ich finde alte Farbe auf Leinen schwerlich begeisterungswürdig. Ja, Kulturbanause! Ich starre sonst den ganzen Tag auf einen Monitor, klicke und hacke, treibe mich bei fukung rum und erfreue mich an unterhaltsamen Katzenbildern. Wer mir dann noch mit Kultur kommt, ist selber schuld!

Die Bilder hielten uns nicht sonderlich lange im Gebäude. Das Weiße Haus und der Obelisk direkt davor, das Washington Monument, waren da schon interessanter. Ob change-we-can-believe-in-Obama zu Hause war, konnten wir nicht erkennen. Die Vorhänge versperrten die Sicht. Immerhin sahen wir zwei schwarze SUVs mit schwarz getönten Scheiben zum Weißen Haus vorfahren, wie in einem typischen Hollywoodfilm. Wahrscheinlich brachte der Secret Service die bestellte Pizza.

Auf dem Weg zurück zum Hotel machten wir noch ein bisschen Sightseeing, in dem wir ohne Ziel durch die Straßen zogen (wie so oft) und einen Salat bei Chop’t, einer Salat-Fastfood-Kette, aßen. Anhand der Straßen kann man im Übrigen sehr deutlich erkennen, wie sehr die Stadt am Reißbrett entstanden ist. Die Straßen, die von Nord nach Süd laufen, heißen 1st Street, 2nd Street, 3rd Street, 4th Street, 5th Street (usw.) und die, die sich von West nach Ost ziehen, A Street, B Street usw. Ein anderer Punkt der auffiel, waren die vielen Jogger, Sportler und Salatbars in der Stadt. Zumindest in der Hauptstadt gibt es wohl genügend intelligente Menschen, die gesund leben wollen und können.

Die große Tour durch Washington begann am nächsten Tag entspannt und führte uns zuerst Richtung Georgetown, nahe der hiesigen Universität. Weiter ging es dann am Wasser entlang, am Kennedy Memorial Center vorbei zum Lincoln Memorial. Da staute sich dann langsam die Wege. Es war Samstag und die Sonne schien, was tausende Touristen auf die gleiche Idee brachte, die Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden. Dabei legten manche ein Tempo vor, das Schecken neidisch gemacht hätte. Höchstwahrscheinlich waren die typischen Amerikaner einfach nach den paar Metern außer Atem, mussten verschnaufen und versperrten dann den Weg. Ja ja, böse, böse.

Das Lincoln Memorial

Staatsmann Lincoln ließ sich von alldem nicht beeindrucken und rührte sich kein Stück in seinem Sessel. Ein paar Fotos später kehrten wir dem Mann den Rücken zu und liefen zum Korean War Veterans Memorial und weiter am Ufer des Sees und unter blühenden Kirschbäumen Richtung Jefferson Memorial. Von dort ging es immer dem Kapitol entgegen, welches wir umrundeten und natürlich von allen Seiten fotografierten.

Mit dem Kapitol war unsere Liste an Sehenswürdigkeiten abgehakt (das Pentagon ignorierten wir). Der weitere Weg führte uns durch Chinatown, wo wir tatsächlich auf eine Filiale der deutschen Fastfood-Kette Vapiano stießen. Ein bisschen überwältigt von solch heimisch Vertrautem aßen wir selbstverständlich dort und stärkten uns für die restlichen Meter unserer 15-Kilometertour (circa).

Folge immer der roten Linie

Nun da war Boston bei Tag mit Sonne und Straßen, in dem ein eisiger Wind fegte. Auf dem Weg ins Stadtzentrum, stellten wir fest, dass die Strassenblocks klein waren. Nach kurzer Zeit waren wir in den Parks nahe des Zentrums und hatten bereits einen großen Teil der Karte erlaufen. Was uns doch sehr verwunderte. Ich muss gestehen, dass ich mich nicht sonderlich groß mit der Stadt beschäftigt hatte. Man kannte den Namen, die Teeparty, eventuell das vermeintliche Straßenbild aus Ally McBeal oder Boston Legal und wusste das sie Heimat der Red Sox, New England Patriots und Celtics ist. Vorraussetzungen für eine Großstadt würde man meinen.

Berlin ist fast dreieinhalb Mal so groß wie Boston und hat fast sechs Mal so viele Einwohnrer! Kurz: Boston ist klein. Vom Verhältnis sicher noch eine Großstadt, aber keine die den Erwartungen entsprach. Wir folgten in der kleinen Stadt dem Freedom Trail. Dieser Weg weiste mit einer roten Linie auf dem Bürgersteig zu diversen Gebäuden der Unabhägigkeitsbewegung. Die Stationen des Pfades waren zwar über die Stadt verteilt, aber man brauchte nicht mal einen halben Tag um alles abzulaufen. Glücklichweise führte die Linie durch ganz Downtown, so dass man viel von Boston sah. Im Prinzip alles das, was noch wichtig und interresant war. Weil wir dann auch irgendwann vieles gesehen hatten (uns reichte es), setzten wir uns in das Burrito-Franchise Chipotle und skypten mithilfe des WLANs vom Starbucks gegenüber nach Deutschland.

Abends ging es dann in eine Cocktailbar. Nachdem wir uns nach langer Suche auf der Karte für Cocktails entschieden hatten, wurden wir (natürlich) nach unseren IDs gefragt. Hach, wie schmeichelhaft. Zumindest bis zu dem Punkt als sie unsere deutschen Führerscheine nicht gelten lassen wollten. Entweder American IDs oder Passports. Die deutschen Reisepässe passen schlecht in Geldbeutel, weswegen wir diese auch immer im Zimmer ließen und bisher auch keinerelei Probleme damit hatten. Bis dahin. Wir konnten uns zwar ausweisen aber scheinbar nicht genug – wir mussten die Bar verlassen. Etwas genervt machten wir uns auf den Weg zurück zum Hostel. Dabei fanden wir noch ein Restaurant mit Bar. Wir wollten es noch einmal riskieren. In dieser Bar wurde beim Bestellen erst gar nicht nach einer ID gefragt. Wie einfach! Neben den Cocktails bestellte ich mir noch einen Kuchen für 6 Dollar. Ich hatte Lust auf Zucker. In Erwartung an ein normales, hochpreißiges Stück Kuchen (ähnlich wie bei der Cheesecake Factory) wurde ich überrascht. Das Stück Kuchen war dann doch etwas größer als ich erwartete (weiteres Bild bei den Fotos):

Fertig, vom Stück Kuchen mehr als vom Alkohol, ging es dann spät zurück ins Hostel. Am nächsten Morgen ging es erstmal zum Auschecken und Abstellen unserer Gepäckstücke. Danach machte sich Lilly auf, dass Museum of Fine Arts zu besuchen. Da ich als genereller Kunstbanause (bei 20$ Eintritt im Besonderen) wenig Lust auf Museum hatte, vergnügte ich mich in der am Tag zuvor schon kurz besuchten Shoppingmeile Bostons, kaufte im hiesigen Apple Store preisgünstige Kopfhörer und setzt mich dann in den Buchladen Barnes & Noble, um das dortige WLAN zu nutzen. Dort verfasste ich unter anderem auch die erste Version dieses Berichts. Da ich zwischendurch immer wieder andere Sachen im Web machte, zog sich das Verfassen etwas hin. Als ich dann eine weit fortgeschrittene Version speichern wollte, bekam ich die Meldung „Session expired“ angezeigt. Großartig. Wie so oft bei solch einem Fall hatte ich den Text natürlich nicht gesichert. Danach verspührte ich auch wenig Lust, den Text gleich wieder von Neuem zu schreiben.

Als Lilly ihren Kulturbesuch beendet hatte, wurde noch ein bisschen durch die Shoppingzentren geschlendert und dann war es auch bereits Zeit zum Aufbrechen Richtung Busterminal. Unser Bus fuhr pünktlich und ohne größere Probleme nach Hartford, wo wir den nächsten Tag bei Laura entspannten, Koffer packten (Foto) und dann nachts in einer ungemütlichen Busfahrt zu dritt in die Hauptstadt der Staaten, Washington D.C., fuhren.

Fotos:

Bye Bye California

Der letzte Tag in Kalifornien. Hach…

Qualvoll musste man sich erheben, um ja püntklich am Flughafen zu sein. Bevor es los ging, wurde aber noch mal der Koffer kontrolliert – die letzten Dinge wurden ja erst am Morgen gepackt. Das mit dem Wiegen war eine gute Idee, denn wir waren laut Kofferwaage über dem Maximalgewicht. Von 70 lbs. Etwa 31,7 kg. Oha. Um darunter zu kommen, wurden Sachen vom Koffer in den Handgepäckkoffer verlagert. Der war zwar auch schon über den erlaubten 8kg – aber der wird ja nie gewogen. Hofften wir. Nach dem Umladen schwankte die Waage so zwischen 68-70 lbs. Wird schon passen, dachten wir uns und gingen los!

Mit der BART fuhren wir zum San Francisco Airport und konnten ein letztes Mal die niedlichen, schiefen und kleinen Häuser betrachten. Beim Einchecken machten wir natürlich wieder alles falsch. Völlig unwissend stellten wir uns in der „Bag Drop“ an. Als wir nach zehn Minuten dran waren, fragten uns die Frau nach unserem Boarding Ticket. Öhm. Wie bitte? Wie wurden dann aufgeklärt, dass wir uns in der „Full Service“-Reihe hätten stellen müssen. Aber die Dame war ’ne ganz Nette und checkte uns von ihrem Platz ein. Unser Koffer wog 69.7 lbs (ca. 31,6 kg) – was die Dame zum Ausspruch „You made it!“ veranlasste und sie noch ein heavy-Etikett auf den Koffer klebte. Das zu schwere Handgepäck (Trolley ca. 10 kg, beide Rucksäcke zusammen vielleicht 8-9 kg) verschwiegen wir.

Der Flug ging zwar zu spät los, das holte der Pilot jedoch in der Luft wieder auf. In Boston begrüßte uns nasses und nebliges Wetter bei etwa 2°C. Ein Kontrast zur Westküste – in etwa, wie wenn man im Herbst von Mallorca nach Berlin kommt. In der Stadt war es so neblig, dass manche Hochhäuser nur halb zu sehen waren. Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch gespannt, was Boston am Tag so bieten kann. Die Lösung dafür ist aber schon wieder eine andere Geschichte. Die folgt die nächsten Tage.

Fotos:

Für 6$ nach New York

Heute ging es nach New York, weil Hartford nichts mehr bot. Wir zahlten für Hin- und Rückfahrt läppische 6 Dollar, also im Prinzip nichts. Haken an der Sache: wir mussten um 6:30 Uhr den Bus bekommen und dementsprechend früh aufstehen. Zu früh, aber auch selbst Schuld, war man doch erst drei Stunden vorher im Bett.

In New York wurde wenig Sightseeing dafür mehr Shopping gemacht. Wobei Shopping bei mir bedeutete, dass ich nichts kaufte sondern nur guckte. Einerseits weil es ja noch an die Westküste geht und ich mir da bessere Möglichkeiten und Sachen erhoffe – ganz besonders bei den von mir gesuchten Schuhen, die in Manhatten nur unzureichend, geringer Vielfalt, geführt wurden. Andrerseits blieb heute mein Geldbeutel noch zu, weil wir am Ende der fünf Wochen sowieso noch in New York sein werden und ich mir dann alles kaufen kann, was ich möchte. Ohne diese Sachen dann unnötig hin und her zu schleppen.

Im sonnigen, aber durch den Wind frischen, Manhatten liefen wir den Broadway herunter bis zur NYU, vorbei am Flatiron Building und mit Mittag auf einer Parkbank im Union Square Park. Bis zur Rückfahrt kurz vor 17 Uhr waren wir in unzähligen Geschäften, um unseren Ende März wahrscheinlich folgenden Kaufwahn ein wenig vorzubereiten. Danach ging es wieder mit dem Bus zurück nach Hartford. Die Fahrt zog sich durch „Stop and Go“ in New York und späterem Stau auf der Interstate aber sehr in länge und verspätete sich. So kamen wir auch zu spät zum gemütlichen Sit-in von Lauras Kommilitonen.

Die kunterbunte Runde bestand aus einem Holländern, zwei Engländern, einem Tadschiken, einer Chinesin und mit uns anfangs fünf Deutschen.Man quatschte, machte mit einem billigen Vodka das Spiel Bierkönig mit geänderten Regeln und lachte. Das ging so bis etwa ein Uhr bis der Tadschike durch zu hohem Vodkagenuss vermehrt das Klo aufsuchen musste und dann schlussendlich auch mit seinem Mitbewohner nach Hause torkelte.

Morgen heißt es Wäschewaschen und Sachen für die Westküste packen. Es kann sein, dass der nächste Eintrag erst Sonntag oder Montag folgt. Je nachdem, ne?

Fotos:

Da fliegt mir ja der Schnodder weg!

War Montag noch schlechtes Wetter, das uns den Trip nach New Haven und Yale vermasselte, strahlte mich die Sonne im wolkenlosen Himmel um 10 Uhr beim Aufstehen an. Als letzter, ich Morgenmuffel. Daher kurz hübsch gemacht, gefrühstückt und los ging’s!

Von Hartford fuhren auf einen Highway und auch bald schon wieder herunter. Denn die Heimat lockte – auch wenn nur mit dem Namen. Berlin! Eines von wohl 22 Berlins in den USA (Quelle: Wikipedia). Das Berlin, was wir besuchten war, ja na ja, ein anderes Berlin. Trostlos. Schon klar, unser Berlin ist auch an manchen Stellen trostlos. Aber das war nur trostlos. Nichts los dort. Es gab am Wegesrand ein totes Stinktier. Im Prinzip stank das Berlin doppelt. Tot und nach Stinktier. Deswegen haben wir auch nur das obligatorische Foto am Ortsschild gemacht. Ich frage mich bei solchen Sachen ja auch immer, was die Vorbeifahrenden sich so denken. Für Touristen können die uns nicht gehalten haben. Touristen sieht dieses Berlin sicher nie. Arm und hässlich, wenn man so will.

Die drei aus Berlin

Da uns nichts weiter hielt, ging die Fahrt weiter Richtung New Haven. Die Stadt ist, wenn überhaupt, für die meisten wegen der weltbekannten Universität Yale ein Begriff. Natürlich war auch die Uni für uns der eigentliche Grund eine weitere, im Prinzip, x-beliebige Retortenstadt zu besuchen. Die Gebäude von Yale stehen im krassen Kontrast zu den restlichen Fassaden. Die von Yale sehen aus, als ob sie von in Europa und im Mittelalter erbauten und dann rübergeholten Bauten stammen würden. Unser Weg über den Campus war kreuz und quer, wegen der eigentlichen Suche nach dem Uni-Shop für Mitbringsel. Als gute Besucher machten wir natürlich auch noch an jeder Ecke Fotos, so dass niemand ernsthaft annehmen konnte, wir würden dort studieren. Irgendwann fanden wir auch den Shop und kauften schließlich die erforderlichen, elitären Sachen.

Neben Yale gab es nicht viel mehr Interessantes in New Haven, aber die Nähe zum Meer lockte. Der Atlantik war etwa 30 Minuten entfernt und heute sehr rau. Als wir an einer Badestelle, mit Picknickstellen und Leuchtturm, ausstiegen, pfiff uns der Wind um die Ohren. Die Möwen, die wohl zur großen, nordamerikanische Gattung gehörten, hatten auch teilweise Schwierigkeiten bei dem Wind vorwärts und sicher ins Wasser zu gelangen. Im Sommer ist der Ort sicher sehr schön, heute nicht so sehr. Zu kalt, zu windig. Die Nase lief und der Schnodder flog. Unser vorher in New Haven gekauften Subway-Sandwiches konnten wir bei solch einem Wetter nicht an einem der Picknick-Tische essen. Deswegen fuhren wir dichter ans Wasser und genossen windstill das Meer und unsere Sandwiches im Auto.

Später ging es dann fix zurück über den Highway, da wir püntklich zum Abendentertainment kommen wollten: Wale gegen Falken.

Amerikaner haben höchstwahrscheinlich den Typus Maskottchen erfunden. Um die Suche nach einem passenden Viech zu vereinfachen, nennen die Amerikaner vielerorts die Teams von Sportmannschaften der Einfachheit halber gleich danach. In Hartford spielen die Connecticut Whales, in einer der großen Sportarten hier in den USA: Eishockey. Wieso gerade Wale unbedingt (gut) Eishockey spielen sollen können, ist mir genauso schleierhaft, wie bei den heutigen Gegnern, den Springfield Falcons aus Massachusetts. Vielleicht darf man da einfach nicht versuchen, das erklären zu wollen. Einfach hinnehmen als das, wofür es gedacht ist: Entertainment.

Das bot der Abend ganz sicher. Die Halle war nahezu ausverkauft. Um es bildlich zu machen: die Halle war in etwa so ausverkauft wie das Olympiastadion in der letzten (1. Bundesliga-)Saison Herthas. Das Spiel der zweiten Eishockeyliga Nordamerikas (=Ausbildungsliga für die NHL) bot als erstes die amerikanische Nationalhymne. Alle erhoben sich, richteten ihren Blick auf die große amerikanische Flagge und legten ihre Hand aufs Herz. Welch ein Spektakel! Die singende Frau machte es besser als Christina Aguilera und unsere geliebte Sarah Conner. Sie konnte den Text. Ich war leider nicht so mutig, bei der Hymne sitzen zu bleiben. Ein bisschen Angst vor dem durchschnittlichen, amerikanischen Eishockeyfan hatte ich dann doch.

In Deutschland ist Eishockey ja mehr eine Nischensportart. Zumindest ist es nicht so populär, dass man die Regeln groß kennen würde. Man weiß, dass es Drittel gibt, der Puck ins Tor muss und sich die Spieler prügeln können, wenn sie dafür eine Zeitstrafe in Kauf nehmen. Aber wann man denn nun hinters Tor gehen darf oder wann nicht, wann es „Schiripuck“ gibt oder wann Zeitstrafen für normale Fouls, erschloss sich auch nach dem Spiel nicht so recht.

Im folgenden einen kurzen, laienhaften und subjektiven Spielbericht:
Das erste Drittel war eher langweilig. Man bestaunte zwar die schnellen Bewegungen, Pass- und Annahmespiel der Spieler, aber davon abgesehen gab es nur Checks gegen die Bande, eine Prügelei zwischen zwei Spielern sowie eine Verletzung eines Wals und des daraus resultierenden Abtransport mit Krankenwagen, die etwas Entertainment boten. Da passierte auf den Tribünen mehr. Das Publikum wurde während des Spiels immer wieder durch Stadionmitarbeitern in vielen Formen animiert. Fragen zu Spielern wurden gestellt. Bei richtiger Antwort bekam man ein Saisonticket. Oder der beste Tanz auf der Tribüne erhielt freie Donuts. In den Drittelnpausen fanden auf der Eisfläche dann auch Spiele mit den Zuschauern statt, selbstverständlich mit Gewinn am Ende.

Prügelnde Eishockeyspieler

Das Eishockeyspiel näherte sich dann im zweiten Drittel beim Unterhaltungswert auch dem Zuschauerprogramm an. Das Spiel bot mehr Torszenen und schnelle Konter. Die Gastmannschaft konnte im Power Play, also mit einem Mann mehr durch eine Zeitstrafe für die Heimmannschaft, das erste Tor markieren. Das wurde natürlich mit Buhrufen zur Kenntnis genommen. Im letzten Drittel waren die Wale spielbestimend und erzielten den Ausgleichs- und später den Führungstreffer. Um noch den Ausgleich zu erzwingen, tauschten die Falken ihren Torwart gegen einen Feldspieler anderthalb Minuten vor Spielende aus. Unglücklicherweise hatten die bissigen Wale wieder so hart gefoult, dass es zur einer Zeitstrafe für einen Spieler kam und die Gäste nun mit zwei Feldspielern mehr stürmen konnten. Eine halbe Minute vor Schluss fand der Puck dann auch den Weg ins Tor zum Augleich. Dramatisch! Die Fans, angestachelt, wurden nochmal laut und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Die Falken, jetzt wieder mit Torwart, nur noch in der Defensive. Ein einfacher Befreiungsschlag geriet durch den Abpraller an der Bande sieben Sekunden vor Abpfiff zur direkten Vorlage für einen Wal. Der Vollprofi, wie er nunmal ist, ließ einen Gegner aussteigen und netzte ein. 3:2! Sieben Sekunden vor Ende! Die Halle tobt! Mitgerissen durch die letzten 10 Minuten applaudiert man selbst, bedankt sich für das Entertainment und fühlt sich damit ein bisschen amerikanisch.

Fotos: