War Montag noch schlechtes Wetter, das uns den Trip nach New Haven und Yale vermasselte, strahlte mich die Sonne im wolkenlosen Himmel um 10 Uhr beim Aufstehen an. Als letzter, ich Morgenmuffel. Daher kurz hübsch gemacht, gefrühstückt und los ging’s!
Von Hartford fuhren auf einen Highway und auch bald schon wieder herunter. Denn die Heimat lockte – auch wenn nur mit dem Namen. Berlin! Eines von wohl 22 Berlins in den USA (Quelle: Wikipedia). Das Berlin, was wir besuchten war, ja na ja, ein anderes Berlin. Trostlos. Schon klar, unser Berlin ist auch an manchen Stellen trostlos. Aber das war nur trostlos. Nichts los dort. Es gab am Wegesrand ein totes Stinktier. Im Prinzip stank das Berlin doppelt. Tot und nach Stinktier. Deswegen haben wir auch nur das obligatorische Foto am Ortsschild gemacht. Ich frage mich bei solchen Sachen ja auch immer, was die Vorbeifahrenden sich so denken. Für Touristen können die uns nicht gehalten haben. Touristen sieht dieses Berlin sicher nie. Arm und hässlich, wenn man so will.

Die drei aus Berlin
Da uns nichts weiter hielt, ging die Fahrt weiter Richtung New Haven. Die Stadt ist, wenn überhaupt, für die meisten wegen der weltbekannten Universität Yale ein Begriff. Natürlich war auch die Uni für uns der eigentliche Grund eine weitere, im Prinzip, x-beliebige Retortenstadt zu besuchen. Die Gebäude von Yale stehen im krassen Kontrast zu den restlichen Fassaden. Die von Yale sehen aus, als ob sie von in Europa und im Mittelalter erbauten und dann rübergeholten Bauten stammen würden. Unser Weg über den Campus war kreuz und quer, wegen der eigentlichen Suche nach dem Uni-Shop für Mitbringsel. Als gute Besucher machten wir natürlich auch noch an jeder Ecke Fotos, so dass niemand ernsthaft annehmen konnte, wir würden dort studieren. Irgendwann fanden wir auch den Shop und kauften schließlich die erforderlichen, elitären Sachen.

Neben Yale gab es nicht viel mehr Interessantes in New Haven, aber die Nähe zum Meer lockte. Der Atlantik war etwa 30 Minuten entfernt und heute sehr rau. Als wir an einer Badestelle, mit Picknickstellen und Leuchtturm, ausstiegen, pfiff uns der Wind um die Ohren. Die Möwen, die wohl zur großen, nordamerikanische Gattung gehörten, hatten auch teilweise Schwierigkeiten bei dem Wind vorwärts und sicher ins Wasser zu gelangen. Im Sommer ist der Ort sicher sehr schön, heute nicht so sehr. Zu kalt, zu windig. Die Nase lief und der Schnodder flog. Unser vorher in New Haven gekauften Subway-Sandwiches konnten wir bei solch einem Wetter nicht an einem der Picknick-Tische essen. Deswegen fuhren wir dichter ans Wasser und genossen windstill das Meer und unsere Sandwiches im Auto.

Später ging es dann fix zurück über den Highway, da wir püntklich zum Abendentertainment kommen wollten: Wale gegen Falken.
Amerikaner haben höchstwahrscheinlich den Typus Maskottchen erfunden. Um die Suche nach einem passenden Viech zu vereinfachen, nennen die Amerikaner vielerorts die Teams von Sportmannschaften der Einfachheit halber gleich danach. In Hartford spielen die Connecticut Whales, in einer der großen Sportarten hier in den USA: Eishockey. Wieso gerade Wale unbedingt (gut) Eishockey spielen sollen können, ist mir genauso schleierhaft, wie bei den heutigen Gegnern, den Springfield Falcons aus Massachusetts. Vielleicht darf man da einfach nicht versuchen, das erklären zu wollen. Einfach hinnehmen als das, wofür es gedacht ist: Entertainment.
Das bot der Abend ganz sicher. Die Halle war nahezu ausverkauft. Um es bildlich zu machen: die Halle war in etwa so ausverkauft wie das Olympiastadion in der letzten (1. Bundesliga-)Saison Herthas. Das Spiel der zweiten Eishockeyliga Nordamerikas (=Ausbildungsliga für die NHL) bot als erstes die amerikanische Nationalhymne. Alle erhoben sich, richteten ihren Blick auf die große amerikanische Flagge und legten ihre Hand aufs Herz. Welch ein Spektakel! Die singende Frau machte es besser als Christina Aguilera und unsere geliebte Sarah Conner. Sie konnte den Text. Ich war leider nicht so mutig, bei der Hymne sitzen zu bleiben. Ein bisschen Angst vor dem durchschnittlichen, amerikanischen Eishockeyfan hatte ich dann doch.

In Deutschland ist Eishockey ja mehr eine Nischensportart. Zumindest ist es nicht so populär, dass man die Regeln groß kennen würde. Man weiß, dass es Drittel gibt, der Puck ins Tor muss und sich die Spieler prügeln können, wenn sie dafür eine Zeitstrafe in Kauf nehmen. Aber wann man denn nun hinters Tor gehen darf oder wann nicht, wann es „Schiripuck“ gibt oder wann Zeitstrafen für normale Fouls, erschloss sich auch nach dem Spiel nicht so recht.
Im folgenden einen kurzen, laienhaften und subjektiven Spielbericht:
Das erste Drittel war eher langweilig. Man bestaunte zwar die schnellen Bewegungen, Pass- und Annahmespiel der Spieler, aber davon abgesehen gab es nur Checks gegen die Bande, eine Prügelei zwischen zwei Spielern sowie eine Verletzung eines Wals und des daraus resultierenden Abtransport mit Krankenwagen, die etwas Entertainment boten. Da passierte auf den Tribünen mehr. Das Publikum wurde während des Spiels immer wieder durch Stadionmitarbeitern in vielen Formen animiert. Fragen zu Spielern wurden gestellt. Bei richtiger Antwort bekam man ein Saisonticket. Oder der beste Tanz auf der Tribüne erhielt freie Donuts. In den Drittelnpausen fanden auf der Eisfläche dann auch Spiele mit den Zuschauern statt, selbstverständlich mit Gewinn am Ende.

Prügelnde Eishockeyspieler
Das Eishockeyspiel näherte sich dann im zweiten Drittel beim Unterhaltungswert auch dem Zuschauerprogramm an. Das Spiel bot mehr Torszenen und schnelle Konter. Die Gastmannschaft konnte im Power Play, also mit einem Mann mehr durch eine Zeitstrafe für die Heimmannschaft, das erste Tor markieren. Das wurde natürlich mit Buhrufen zur Kenntnis genommen. Im letzten Drittel waren die Wale spielbestimend und erzielten den Ausgleichs- und später den Führungstreffer. Um noch den Ausgleich zu erzwingen, tauschten die Falken ihren Torwart gegen einen Feldspieler anderthalb Minuten vor Spielende aus. Unglücklicherweise hatten die bissigen Wale wieder so hart gefoult, dass es zur einer Zeitstrafe für einen Spieler kam und die Gäste nun mit zwei Feldspielern mehr stürmen konnten. Eine halbe Minute vor Schluss fand der Puck dann auch den Weg ins Tor zum Augleich. Dramatisch! Die Fans, angestachelt, wurden nochmal laut und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Die Falken, jetzt wieder mit Torwart, nur noch in der Defensive. Ein einfacher Befreiungsschlag geriet durch den Abpraller an der Bande sieben Sekunden vor Abpfiff zur direkten Vorlage für einen Wal. Der Vollprofi, wie er nunmal ist, ließ einen Gegner aussteigen und netzte ein. 3:2! Sieben Sekunden vor Ende! Die Halle tobt! Mitgerissen durch die letzten 10 Minuten applaudiert man selbst, bedankt sich für das Entertainment und fühlt sich damit ein bisschen amerikanisch.
Fotos: