Das gute Wetter von gestern Abend wollte leider nicht bleiben. San Francisco grüßte zum Morgen mit Regen. Davon aber unbeeindruckt starten wir unsere Tagestour. Vom Hotel ging es Richtung Union Square, vorbei am (und natürlich auch kurz im) Apple Store, Macy’s, Zara oder Bulgari, durch den Financial District zum Port of San Francisco. Dort huschten wir kurz in die Markthalle, entkamen dem allgegenwärtigen Regen und bestaunten hochpreisige Bio-Produkte aus ganz Amerika. So etwas gibt es auch in den Staaten.
Der weitere Weg ging an den Pieren vorbei. Den nebenliegenden Coit-Tower ließen wir aus, weil der Regen und Nebel eine gute Sicht verhinderte und wir uns die Kraft für den Aufstieg sparen wollten – eine kleine Strecke lag ja noch vor uns. Die Piere waren nicht sonderlich spektakulär, was auch daran lag, dass nahezu alle industriell genutzt werden und für Touristen nicht zugänglich sind. Um nicht erneut den Pier 39 anzusteuern, schlugen wir Richtung Lompard Street ein. Das ist die bekannte Zickzack-Straße, die bergab geht. Kommt bei der Popularität gleich nach der Golden Gate Bridge und der Cable Cars.
Nach den Fotos ging es zurück an den Hafen, weil uns der Regen noch nicht Wasser genug war. Immer an der Bucht entlang. Im Park um Fort Mason, einer alten Kaserne, startete wohl eine moderne, urbane Schnitzeljagd (Challenge Nation). Zahlreiche Teilnehmer, manche in recht amüsanten Verkleidungen, kamen uns entgegen, rannten oder spazierten und ließen sich wie wir nicht vom Wetter aufhalten. Die Golen Gate Bridge immer vor Augen und der Bay neben uns trotzen wir weiter dem Regen.
In Höhe vom Crissy Field gab es dann jedoch doch noch eine Teilkapitulation. Nicht jeder hatte neue, (wasser)feste Schuhe erstanden, die man bei solch einem Wetter hätte anziehen können. Die leichten Turnschuhe und die darin steckenden Socken und Füße wurden durch den Dauerregen nass und damit natürlich auch kalt. Weil die gleichen Schuhe (Wechselschuhe wären nur lilafarbende Ballerinas gewesen) den Tag vorher bereits durchgenässt waren, hatte man gelernt und sich Wechselsocken eingesteckt. Um vorzubeugen, dass die neuen Socken gleich wieder nass wurden, verpackte man die Füße in Tüten. Die Tütenfüßen in die Schuhe und voilá: Vorerst vor Nässe geschützt.
Mit weiter (oder wieder) trockenen Füßen ging es weiter Richtung San Francisco National Cemetery, einem Militärfriedhof mit tausenden weißen oder grauen Grabsteinen in Reih und Glied. Wie man es in einem Film kennt. Nur real ein bisschen eindrucksvoller und mit mehr Erfurcht. Die Straße, die uns weiter vom Friedhof nach Richmond führen sollte, war leider durch Bauarbeiten gesperrt, weswegen wir beim Verlassen einen Umweg nehmen mussten. Bei Regen freut man sich über so etwas ja bekanntlich noch mehr.
Wir liefen auf Straßen, die leider teilweise keinen Bürgersteig hatten. Wahrscheinlich erwartet niemand in den USA, dass man alle Wege in einer Stadt auch zu Fuß zurücklegen kann und vergaß deswegen ein Weg für Fußgänger. Immerhin gab es so etwas wie einen Radfahrerweg, den wir nutzen konnten. Als ob es mehr Radfahrer als Fußgänger hier in den USA gäbe… Der Weg wurde aber auch immer schmaler, so dass die Autos verdammt nahe an uns vorbeischossen. Langsamer wurden die wenigsten. Sicherlich waren wir in deren Augen einfach seltsame Exoten.
In Richmond wollten wir in die Clement Street zu einem chinesischen BBQ – noch so einem Insidertipp. Das letzte Stück zog sich etwas hin, weil nun zu den nassen, kalten Klamotten auch noch Wind dazu kam. Aber der Weg zum Essen lohnte sich. Für 15 Dollar konnte man beim BBQ so viel essen wie man wollte und konnte. Man nahm sich sein Fleisch oder Fisch und briet es selbst auf einem Pfannen-ähnlichen Gerät auf dem eigenen Tisch. Daneben, oder viel mehr auf der Pfanne, konnte man Gemüse und Nudeln in einem Topf kochen. Ich war der einzige nicht-asiatisch Aussehende, der als Banause auch noch ohne Stäbchen, sondern mit dümmlichen Gabel und Messer, das Essen zu sich nahm. Wir aßen bis nichts mehr ging.
Mit vollem Mägen und nasskalten Klamotten wollten wir den Weg zurück nicht selbst bestreiten. Wir liefen bis zur nächsten Bushaltestelle und fuhren Richtung Hotel. Proppevoll und fröstelnd verkrochen wir uns am Abend nur noch ins Hotelzimmer. Der immer stärker werdende Wind lockte uns am Ende auch nicht mehr raus. Was unsere Füße und Gesundheit sicherlich gerne sahen. Denn der Wind war, so erfuhren wir am nächsten Tag, ein Unwetter, der den einen oder anderen Baum fällte.
Fotos:




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